KVV/Verantwortlichkeit
aus dem StugA-Informatik-Wiki
[X] Verantwortlichkeit
Eigentlich wollte ich ja keinen Artikel über Studiengebühren schreiben. Aber da sich unsere „Spezialisten“ in Fragen Studiengebühren meines Wissens nicht dazu durchringen konnten, zu diesem Thema etwas zu schreiben, mach ich es doch. Zudem bin ich in der letzten Zeit immer mal wieder gefragt worden, wie es denn an der Studiengebührenfront aussieht. Da ich also bei der Aktionsplanung nicht wirklich auf dem Laufenden bin, sei jeder Interessent auf http://www.nixbildungsabbau.de und http://www.asta.uni-bremen.de verwiesen. (Ich übernehme keine Verantwortung für diese beiden Links und den Inhalt der Seiten. Aber für weiter Informationen könnten die beiden Seiten sehr nützlich sein.) Desweiteren nehme ich mir noch die Freiheit, auf die ASTA-nahe Zeitung 360 Grad hinzuweisen. Dort sollten eigentlich die Gebührenprofis ihre Artikel veröffentlichen.
Die Studiengebühr von zunächst einmal „nur“ 500Euro pro Semester wird kommen. Garantiert! Für jeden Studenten! Informierten Studenten dürfte diese Aussage langsam aus den Ohren wieder herauskommen. Aber leider trifft man immer wieder Studenten und Schüler, denen dieser Umstand noch nicht zu Ohren gekommen ist. Oder die einfach noch nicht realisiert haben, was es bedeutet. Auch ist vielen Studenten noch nicht klar, dass 500 Euro erst mal nur ein Einstieg sind. Schon früh waren bei der Gebührendebatte 1500 Euro im Gespräch. Das macht dann immerhin 3.000 Euro im Jahr. Für mich ist das schon eine ganze Menge Geld ...
Natürlich denken die Gebührengegner über eine Verfassungsklage nach. Schließlich soll die Berufswahl frei sein. Ich persönlich finde diese Idee zwar sehr gut, gebe ihr aber nicht viele Chancen. Der Kindergartenplatz kostet inzwischen ja auch schon einen ganzen Batzen Geld. Diese Tatsache steht natürlich im Kontrast zu der politischen Forderung nach mehr Akademikern und Kindern. Dass diese Gebühren da kontraproduktiv sind, dürfte jedem klar sein. Selbst den weltfremdesten Politikern. Aber bei der derzeitigen Finanzlage bei Bund und Ländern (gerade in Bremen: Haushalt mit 900 Millionen Euro Neuverschuldung) sind diese Gebühren realpolitische Notwendigkeit. Leider, leider.
Mein „Lieblingsgebührenmodell“ wird wohl auch nicht kommen. Da ich in Bremen gemeldet bin, wäre ich bei dem Modell am Zahlen vorbei gekommen. Der Bildungs-Lemke wollte Gebühren nur für Nicht-Bremer einführen. Dieses Modell wurde aber bereits in Hamburg in erster Instanz als unzulässig erklärt. Andererseits war dieses Modell höchst unfreundlich gegenüber den Hochschulen. Denn die Idee ist dabei ja, dass jeder gemeldete Bürger mehr Geld über den Bundesfinanzausgleich gibt. Somit hätte diese Modell den Hochschulen das Geld vorenthalten und der Landeskasse zugespielt.
Es zeigt sich also, dass die Politiker erstmal nach einer Lösung suchen, den allgemeinen Haushalt aufzubessern, bevor die Hochschulen Finanzspritzen erhalten.
Die Forderungen einiger Finanzminister, die Hälfte der Gebühren an sie abzuführen, anstelle dieses Geld gesamt dem Hochschulen zur Verfügung zu stellen, unterstreicht diese Tatsache noch. Spätestens hier sollte jedem klar werden, dass diese Gebühren nicht erhoben werden, um die Hochschulen zu stärken, sondern um den Haushalt der Länder aufzubessern.
Was können wir denn jetzt weiterhin gegen diese Gebühren unternehmen und wie können wir ermöglichen, dass trotz dieser Gebühren ein freies und gerechtes Studium für alle gewährleistet werden kann? Natürlich ist jeder Versuch, die Studiengebühren noch zu verhindern, sinnvoll und sollte unternommen werden!
Leider sehe ich persönlich an dieser Front nicht mehr viele Chancen. Daher ist es um so wichtiger auf die Politik einzuwirken und mit ihr Studiengebührenmodelle zu entwickeln, die es jeder befähigten Person erlauben und ermöglichen, zu studieren. Deutschland ist letzten Endes immer mehr von hoch qualifiziertem Personal abhängig und kann es sich nicht leisten, Potentiale nur aus Geldmangel versauern zu lassen.
Das BAFöG, bisher dazu vorgesehen, finanziell schwächeren Studenten unter die Arme zu greifen, ist den Anforderungen von 500 Euro Studiengebühren letzten Endes nicht gewachsen. Gebraucht wird also mindestens ein funktionierendes Stipendiensystem. Aber bisher habe ich hierfür gerade einmal Ansätze gesehen. Das ist aber viel zu wenig, um wirklich nutzbringend zu sein.
Mir persönlich schwebt da immer die Vorstellung des Studiums als Vollzeitjob durch den Kopf. Dabei bekommt jeder Student Geld dafür, dass er studiert. Als Betrag wären in Bremen 600 bis 700 Euro durchaus ausreichend. Davon kann man seine Miete zahlen und es bleibt immer noch Geld zum Leben übrig. Okay, für euch Raucher könnte das schon eng werden, aber Laster sind ja immer etwas teurer :-) Persönlich komme ich sogar mit weniger über die Runden, dabei wird es dann allerdings mit dem Vergnügen im Leben etwas schwieriger.
Dieses Modell hat zum Vorteil, dass die Studenten neben ihrem Studium nicht mehr arbeiten müssen und so die Studienzeiten verkürzt werden. Natürlich wird sich kein Politiker auf dieses Modell einlassen. Sie werden eine Maximalanzahl an Semestern einführen und auch eine Rückzahlung der Gelder fordern. Aber selbst wenn zum Beispiel nur die ersten 12 bis 14 Semester gefördert würden, und die Rückzahlung dem jetzigen BAFöG ähneln würde, d.h. die eine Hälfte wird geschenkt, die andere Hälfte muss zurückgezahlt werden, halte ich dieses System immer noch für sinnvoll.
Egal, ob ihr meine Vorstellungen für Schwachsinn haltet oder nicht, wichtig ist, dass Einfluss darauf genommen wird, wie sich die Gebührenmodelle entwickeln, und wie sie für finanziell schwache Studenten kompensiert werden. Wir müssen den Politikern klar machen, dass, wenn sie Gebühren einführen, sie auch dafür Sorge zu tragen haben, dass es sozial gerecht geschieht. Denn das ist bei den meisten Politikern untergegangen, sie sehen uns Studenten nur noch als eine Möglichkeit, ihre Finanzen aufzubessern.
Wir müssen ihnen zeigen, dass sie nicht einfach über uns hinweg entscheiden können. Schreibt Briefe, E-Mail, geht zu Protestaktionen oder was immer ihr für sinnvoll haltet, aber nehmt eure Bürgerpflicht wahr, an politischen Entscheidungen mitzuwirken.
PEPI

