KVV/Entenhausen
aus dem StugA-Informatik-Wiki
- Erschienen: Chaotika 1999
- Autor: Thorsten
Inhaltsverzeichnis |
[X] Computer in Entenhausen und ihre Auswirkungen auf die Familie Duck
[X] Probleme der zunehmenden Technisierung Entenhausens
Obwohl die Geschichten rund um die Familie Duck zeitlich nachweislich im mittleren Drittel unseres Jahrhunderts angesiedelt ist, schreitet die Computerisierung Entenhausens unaufhaltsam voran. Unvorstellbar, daß dieses Kapitel von der donaldistischen Forschung bisher sträflich vernachlässigt wurde. Donaldisten und Informatiker sind aufgefordert, diese Lücken durch Forschungsbeiträge zu schließen!
[X] Bilanz
Das sehr seltene Vorkommen von "Elektronengehirnen“ (wie sie in Entenhausen damals genannt wurden) läßt sich, wie schon erwähnt, dadurch erklären, daß das Leben der Ducks in der Mitte unseres Jahrhunderts angesiedelt ist. Dies ist durch die donaldistische Forschung schon mehrfach belegt und soll hier als zeitlicher Ausgangspunkt dienen.
So ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß Dagobert Duck immer noch mit Vorliebe seine alte mechanische Rechenmaschine benutzt, die für ihn wie"Musik" in seinen Ohren klingelt. Dieser vertraut er voll und ganz, selbst nach einer Reparatur durch Donald, die danach die Farben für Gewinne und Verluste vertauscht und Dagobert sich im siebten Himmel fühlt, seine scheinbaren Gewinne aber nur noch Verluste sind.
Aber dennoch nähert sich Dagobert schon damals langsam der Technik an.
Seine "elektrischen Alarmanlagen" und "magischen Augen" werden wohl nicht ohne Technikunterstützung, wenn sogar nicht ohne Computerunterstützung funktionieren können. Dagoberts Zweifel gegenüber der neuen Technik zeigen sich aber auch noch hier in Form altmodischer Stolperfallen und einem Wachhund. Dagoberts Vermögen ("10 Stock hoch und 20 Meter im Quadrat" oder "500 Trillionen, 253 Billiarden, 675 Billionen, 123 Milliarden, 934 Millionen, dreihunderfünftausend Taler und dreizehn Kreuzer")[1] will geschützt sein. Hierbei zeigen sich dann aber auch schon die Tücken der Technik: Die Alarmanlage ist so gut, daß sie selbst einen berechtigten Benutzer nicht mehr hinausläßt, wenn dieser sich erst einmal im Geldspeicher befindet. Eine Befreiung dauert eine Woche, bis man die ganzen Schalter umgelegt hat.[2]
Die Elektronengehirne., deren Existenz in Entenhausen bekannt ist, hatten die Ausmaße ganzer Räume, es ist davon auszugehen, daß Dagoberts Computer noch mit Relaistechniken realisiert war. Damit ist er vergleichbar mit dem Mark I., der ab 1939 geplant und 1944 realisiert worden war. Da kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schon die Röhrencomputer (z.B. der ENIAC) fertiggestellt wurden, ist sogar davon auszugehen, daß Dagobert bereits zu Zeiten des Krieges Computer besessen und betrieben hatte. Offen bleibt dagegen noch die Frage, ob diese Entwicklung von ihm selbst geleistet wurde oder ob er das Know-How der Militärs benutzen durfte. Jedenfalls läßt das Vorhandensein von Computern schon in den 40er Jahren das große technische Potential von Entenhausen und der Familie Duck erahnen.
Der Kauf und Betrieb von Computern war damals jedoch sehr teuer: Ein Knacks "kostet 200 Kilowattstunden", damit verbraucht Dagoberts Elektronengehirn nur geringfügig mehr Strom als der ENIAC (150 kW). Diese hohen Kosten erklären damit auch das bereits angesprochene seltene Auftreten vom Computern in Entenhausen: Nur Trillionäre können sich den Unterhalt eines solchen Gerätes leisten. Und selbst Dagobert benutzt ja viel lieber seine Rechenmaschine als seinen Computer. So werden Elektronengehirne in Entenhausen fast ausschließlich für rechnerisch aufwändige (neue Rechtschreibung! :-) Berechnungen eingesetzt, für etwas anderes sind sie wohl auch einem Trilliadär zu teuer.
[X] Auswirkungen und Probleme
Aber auch schon die damaligen, doch recht primitiven Computer waren nicht vor Ausfällen gefeit. Sind es heute Plattencrashs, Viren oder das Y2k-Problem (Jahr 2048???), so waren es damals simple Schrauben, die ein Elektronengehirn außer Betrieb setzen konnten. Aber auch hier kann man Parallelen zu heute sehen: Fertigungsmängel und Inkompatibilitäten waren und sind weit verbreitet. In diesem Fall wäre es durch diesen Computerausfall fast zu einem Zugzusammenstoß gekommen, dies konnte aber durch Kopfrechenarbeit der drei Neffen Trick, Trick und Track in letzter Sekunde verhindert werden.
Zu beachten ist dabei aber, daß das Elektronengehirn in einem staatlichen Forschungszentrum betrieben wird. In den gerade laufenden Untersuchungen zeigen sich bis jetzt aber keine Ausfälle von Duckschen Elektronengehirnen, was dafaus schließen läßt, daß auch schon damals Behörden der Willkür der Beschaffungsstellen und Billiganbieter unterworfen waren. Leider stehen endgültige Beweise für diese These noch aus.
Daniel Düsentrieb war schon immer ein großer Antrieb für die Technisierung Entenhausens, der aber zugleich auch indirekt und unbewußt zahlreiche Probleme dieser Entwicklung aufgezeigt hat.
Daniel Düsentrieb hat ein komplett technisiertes Entenhausen entwickelt, in der die Bewohner nur noch zu Überwachern der Maschinen degradiert worden sind. Arbeitszeiten von 10 Minuten täglich und "Lernen im Schlaf" sind alltäglich geworden, auch Onkel Dagoberts Geschäfte sind durch einen Computer übernommen worden. Hier wird die noch unreife Gesellschaft deutlich, denn auch ein Onkel Dagobert hat keine Lust mehr, daß etwas anderes seine Geschäfte erledigt ... auch wenn er genauso gut oder sogar besser als er selbst ist. Zum Schluß wird die komplette Technik durch Daniel Düsentrieb selbst zerstört.
Im übertragenen Sinne war die Gesellschaft Entenhausens damals also noch nicht reif für logisch entscheidende Geräte, wie es Elektronengehirne ja nun einmal sind. Da sie dennoch eingesetzt wurden, waren die Folgen nicht absehbar.
[X] Fazit
Diese wenigen Beispiele zeigen nur das Entenhausen von Carl Barks, also die Frühzeit Entenhausens. Trotzdem ist Entenhausen schon damals technologisch sehr weit fortgeschritten, und zu Anfang der 40er Jahre wurden bereits Elektronengehirne in privater Hand (hier: Bei Dagobert) eingesetzt. Der Spruch "Von Entenhausen lernen, heißt siegen lernen" bewahrheitet sich auch hier erneut.
Eine Forschung in diesem Barks-Zeitalter gestaltet sich leider sehr schwierig, da zu Barks' Schaffenszeit Computer in der Gesellschaft einen sehr geringen Stellenwert hatten, dies spiegelt sich somit auch in den Barks-Geschichten wider. Obwohl in diesem kurzen Artikel noch längst nicht alle Barks-Quellen ausgewertet oder berücksichtigt wurden, muß davon ausgegangen werden, daß sich zukünftige Forschungen auch verstärkt auf Nicht-Barks-Quellen werden stützen müssen, auch wenn reine Donaldisten dabei aufschreien werden: Das Barks-Zeitalter war nun mal nicht das Zeitalter der Computer, aber es ist genauso ein Fehler, dieses gerade beginnende Zeitalter in Entenhausen nicht zu beachten!
Trotz allem gelingt es Barks, in Ansätzen schon auf die Folgen der vollkommenden Technisierung hinzuweisen: Computerausfälle können Menschenleben gefährden[3], technische Geräte können nie für alles auf einmal entwickelt werden[4] oder es macht die Ente faul und träge[5]. Und in der Tat wird sich in Entenhausen noch nicht vollständig auf Computer verlassen, wie man z.B. daran sehen kann, daß sich Onkel Dagobert nicht nur auf eine elektronische Alarmanlage verläßt.[6]
Thorsten
- ↑ Donald Duck - Eingefrorenes Geld, Donald Duck Klassik-Album Nr. 10, S. 34, Ehapa-Verlag 1997
- ↑ Donald Duck - Eingefrorenes Geld, Donald Duck Klassik-Album Nr. 10, S. 35, Ehapa-Verlag 1997
- ↑ vergl. Donald Duck - Die Zugkatastrophe, Donald Duck Klassik-Album Nr. 27, S. 29, Ehapa-Verlag 1991
- ↑ vergl. Daniel Düsentrieb - Fragen an die Zukunft, Donald Duck Klassik-Album Nr. 20, S. 26, Ehapa-Verlag 1989
- ↑ vergl. Daniel Düsentrieb - Die Monsterstadt, Donald Duck Klassik-Album Nr. 18, S. 44, Ehapa-Verlag 1989
- ↑ vergl. Donald Duck - Eingefrorenes Geld, Donald Duck Klassik-Album Nr. 10, S. 29, Ehapa-Verlag 1997
Dieser Artikel im Internet: http://www.informatik.uni-bremen.de/~thoddi/forschung/donald/

